Deutscher Flankenschutz
»Tornados« nach Afghanistan: Marine- und Luftwaffeneinheiten
der Bundeswehr erleichtern eine US-Aggression gegen Iran – wie schon
bei den Kriegen gegen Irak 1991 und 2003
Von David Noack
Die »Tornados«, die am gestrigen Montag Deutschland verlassen
haben, sind zunächst zum NATO-Stützpunkt Decimomannu auf
Sardinien geflogen. Dort sollen sie im Verbund mit weiteren deutschen Kampfjets
Kriegsübungen durchführen. Wenige Tage später werden sie
das Mittelmeer in Richtung Vereinigte Arabische Emirate überqueren
und von dort nach Afghanistan weiterfliegen. Ausrüstungsgegenstände
werden bereits seit dem 12.März aus Norddeutschland nach Masar-i-Sharif
verlegt. Der Transport erfolgt mit gecharterten IL-76-Maschinen aus Rußland.
Die deutschen »Tornados« am Hindukusch dienen nicht nur zur
Aufstandsbekämpfung vor Ort, sondern sind auch Teil der Einschnürungsstrategie
gegenüber dem Iran. Die Flankendeckung durch deutsche Marine- und Luftwaffeneinheiten
erleichtert der US-Spitze mögliche Angriffsoperationen – wie
schon während der Kriege gegen den Irak 1991 und 2003.
Operation Desert Storm
Militärische Rückendeckung für US-Operationen leistete die
Bundesrepublik bereits im sogenannten zweiten Golfkrieg, also der Aggression
gegen den Irak 1991. Die Türkei verlangte während des US-geführten
Angriffs (»Operation Desert Storm«), NATO-Flugzeuge zur Absicherung
an seiner Grenze zum Irak zu stationieren. Deutschland beteiligte sich an
diesem Einsatz mit 18 Jets und 212 Soldaten der Luftwaffe. Sie wurden auf
dem türkischen Stützpunkt Erhac in Stellung gebracht. Um die westlichen
Einheiten vor Seeminen zu schützen, wurde zudem ein Minenabwehrverband
der Bundesmarine in das östliche Mittelmeer verlegt. Drei Breguet-Atlantic-Aufklärungsflugzeuge
auf Sardinien unterstützten die Überwachung des Seegebiets. Insgesamt
waren im Zweiten Golfkrieg 2300 deutsche Marinesoldaten im Einsatz.
Nach dem Ende der Kampfhandlungen entsandte Bonn erneut Minenräumer
– dieses Mal unmittelbar in den Persischen Golf. Als Stützpunkt
diente der Hafen von Bahrain. Das Emirat gilt als »deutschfreundlich«.
Als kurdische Sezessionisten nach Einstellung der US-Angriffe den Kampf
gegen die irakische Zentralregierung aufnahmen, beteiligte sich die Bundeswehr
an Maßnahmen zugunsten kurdischer Flüchtlinge (»Operation
Kurdenhilfe«): Sanitätssoldaten, Transportmaschinen und die Luftlandebrigade
26 waren im Nordirak, in der Türkei und im Iran im Einsatz.
Operation Iraqi Freedom
Im Frühjahr 2003 stockte Berlin die Bundeswehrtruppen in Afghanistan
auf, damit das US-Militär sich auf den Irak konzentrieren konnte. Außerdem
wurden rund 3800 deutsche Soldaten zur Bewachung von etwa 100 amerikanische
Militäreinrichtungen in Deutschland abkommandiert. Fuchs-Spürpanzer
in Kuwait in Stellung gebracht, AWACS-Aufklärungsflugzeuge spähten
unter deutscher Beteiligung den türkischen Luftraum in unmittelbarer
Nähe zum Irak aus. Bei den Angriffsvorbereitungen kam auch Personal
der deutschen Auslandsspionage zum Einsatz. Mehreren Agenten des BND wird
vorgeworfen, in Bagdad Ziele für die US-Bombardements markiert zu haben.
Schiffe des Einsatzverbandes der »Operation Enduring Freedom«,
der in Dschibuti stationiert ist, eskortierten Marineeinheiten der USA und
Großbritanniens ins unmittelbare Kriegsgebiet. Schließlich stellte
die Bundesregierung Israel kostenlos Luftabwehrraketen zur Verfügung.
Marine vor Libanon
Auch die aktuellen Kriegsdrohungen gegen den Iran können auf deutsche
Rückendeckung bauen. Berlin hat zur erneuten Absicherung des US-Aufmarsches
in den vergangenen Monaten immer neue Truppen in die Region entsandt. Neben
Afghanistan und dem Seegebiet um Dschibuti (»Horn von Afrika«)
spielt dabei das östliche Mittelmeer eine hervorgehobene Rolle. Bereits
im vergangenen Sommer war ein Verband der Marine nach Zypern verlegt worden.
Die Schiffe patrouillieren seitdem vor den Küsten des Libanon –
mit bis zu 2400 Soldaten. Das Mandat schließt Marineinfanteristen
und »Berater« für die libanesische Armee ein. Zudem unterhält
die Bundeswehr dort auch ein Boot außerhalb des UN-Kommandos, das
Spionageschiff »Alster«. Weiterhin genutzt werden können
– wie im Krieg gegen den Irak 1991 – die Luftwaffenstützpunkte
auf Sardinien und in Griechenland.
