Übersetzung: Jubelperser für Israel
Jerusalem Post, 05. März 2009
Jubelperser ist ein allgemein bekannter Ausdruck in Deutschland. Mit dem
Begriff wird eine Gruppe Iraner beschrieben, die angeheuert wurden, um beim
Besuch des Schahs in Westberlin im Jahre 1967 zu jubeln. Die Jubelperser
waren der Grund für Eskalation der Situation, da sie unter den Augen
der Polizei Demonstrierende verprügelten. An jenem Abend tötete
die Polizei einen Studenten, was zu Großdemonstrationen in Westberlin
und Westdeutschland führte. Heute beschreibt Jubelperser Personen,
die kritiklos Phrasen und Statements von berühmten Personen –
speziell Regierungen – kopieren. In dem Artikel Let the Left go forward
(Lasst die Linke vorangehen) von Benjamin-Christopher Krüger und Sebastian
Voigt behandeln eben jener Bundessprecher des BAK Shalom und der Sympathisant
Voigt den Standpunkt der deutschen Linken zum Staate Israel und bewerben
ihre Arbeitsgruppe mit dem freundlichen Namen „Frieden“. Sie
behaupten, dass diese Gruppe in der Jugend der Partei Die Linke (‘solid)
beabsichtigt „Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und
regressiven Antikapitalismus“ bekämpfen zu wollen. Das sind noble
Motive. Aber die beiden beschreiben nicht ihr Verhalten in diesem Kampf.
Ihre Gruppe verweigert sich Diskussionen. Ein von der linken Tageszeitung
junge Welt vorgeschlagenes Interview wurde verweigert – offiziell
wegen der Haltung der Zeitung gegenüber der Situation in Simbabwe.
Die Absurdität dieser Argumentation ist eindeutig. Die einzige „Politik“
von ‘solids Arbeitskreis Shalom ist es, Politiker die andere politische
Positionen vertreten, zu diffamieren. Der BAK Shalom sieht an jeder Straßenecke
Antisemitismus. Das ist der perfekte Weg, um Diskussionen zu vermeiden und
politische Opponenten zu diffamieren. Benjamin-Christopher Krüger ging
einmal einer seriösen Diskussion mit mir aus dem Weg, indem er sagte:
„Ich habe auch keine Lust, dir einen Grundkurs in Aufklärung
zu geben. Zumal ich glaube, dass dies kaum etwas bringen würde.“
Auch Lügen ist Teil ihres Repertoires, sollte ihre Glaubwürdigkeit
auf dem Spiel steht. So beschuldigten sie erst Norman Paech des Antisemitismus
und leugneten das später.
Die Partei Die Linke hat keine einheitliche Position zum Konflikt im Nahen
Osten. Gemeinsamer Konsens ist es jedoch, dass Gewalt kein Weg ist, um Probleme
zu lösen. Die trotzkistische Plattform marx21 diskutiert noch ihren
Standpunkt zum israelisch-palästinensischen Konflikt – ein erster
Beitrag brachte die Lösung im Rahmen eines gemeinsamen Staates von
Israelis und Palästinensern ins Spiel. Der außenpolitische Sprecher
der Linken Wolfgang Gehrcke tendiert eher zu einer Lösung im Rahmen
der Genfer Initiative.[1] Der eher reformistische Parteiführer Gregor
Gysi tendiert zu Solidarität mit Israel, warnt aber zugleich vor Apartheid
im Heiligen Land. Der BAK Shalom präsentiert keine Lösung für
den israelisch-palästinensischen Konflikt.
Der BundessprecherrInnenrat von ‘solid hat bereits versucht, den BAK
Shalom wegen seiner exzessiven Praktiken zu bestrafen. Das zeigt auch gut
den Status der Gruppe innerhalb der Linken. Der oben genannte Artikel erwähnt
nicht, wie viele Mitglieder diese Gruppe hat. Während die Partei ungefähr
76.600 Mitglieder zählt (‘solid etwa 8300), beträgt die
Zahl der BAK Shalom-Mitglieder um die 30 Personen. Weitgehend wird der BAK
Shalom innerhalb der Linken als nicht links angesehen.
Der BAK Shalom ist eine Gruppe von Jubelpersern, die jedoch nicht die Islamische
Republik Iran, aber den Staate Israel bejubelt. Egal, welche Politik die
israelische Regierung macht.
David Noack, geboren am 19.12.1988 in Berlin, ist Student der Politik und Geschichte. Darüber hinaus ist er Sprecher des SDS Greifswald, Mitglied des Landesauschusses der Partei Die Linke in Mecklenburg-Vorpommern und veröffentlichte Artikel in mehreren Medien.
[1] Die Genfer Initiative ist ein virtuelles Abkommen zur Lösung des Nahostkonfliktes. Der Entwurf des Abkommens von bekannten Politikern aus Israel und den palästinensischen Gebieten, die teilweise früher Ministerämter innehatten, sieht einen zukünftigen palästinensischen Staat in beinahe den gesamten Gebieten des Westjordanlandes und des gesamten Gazastreifens vor, dessen Hauptstadt Jerusalem sein würde. Von der Grünen Linie sollte die zukünftige Grenze der beiden Staaten, Israel und Palästina, nur in wenigen Punkten abweichen. Israel dürfte wenige große Siedlungen behalten, während Palästina um einige arabisch-besiedelte erweitert werden würde.
Der Text wurde auf der Homepage des völkerrechtspolitischen Sprechers der Linken im Bundestag Norman Paech, in der jungen Welt und im Journal of Turkish Weekly veröffentlicht. Hier geht es zu den Seiten:
