Der Kosovo-Effekt
german-foreign-policy.com, 03. März 2008
Die von Berlin forcierte Parzellierung Serbiens lässt weitere Sezessionskonflikte
auflodern. Die ersten Toten werden gemeldet.
Ort der jüngsten Gefechte ist die Waffenstillstandslinie um das aserbaidschanische
Sezessionsgebiet Nagornyi Karabach. Dort kamen Berichten zufolge bei Kämpfen
in den vergangenen Tagen 16 Menschen zu Tode, zahlreiche weitere wurden
verletzt. Die Spannungen eskalieren nicht zuletzt wegen der Sezession des
Kosovo. Erst am Dienstag hatte das Parlament in Baku beschlossen, die aserbaidschanischen
Truppen aus der südserbischen Provinz abzuziehen. Als Grund wurde die
unilaterale Unabhängigkeitserklärung in Pristina angegeben; sie
sei illegal, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Aserbaidschan
sieht sich selbst mit Separatisten im von Armenien besetzten Nagornyi Karabach
konfrontiert. Ebenfalls am Dienstag verlautete in Baku, Aserbaidschan habe
"Militärtechnik, Flugzeuge und Munition gekauft" und sei
bereit, "die besetzten Gebiete zu befreien."
Hintergrund der Eskalation sind wechselseitige Befürchtungen bzw. Hoffnungen,
die Entwicklung im Kosovo dürfe als Präzedenzfall für die
Sezession Nagornyi Karabachs verstanden werden. Die Berliner Politik hat
damit zum ersten Mal in einem anderen Sezessionskonflikt den Anlass für
Kampfhandlungen geliefert.
Quellen:
Azerbaijani Parliament Makes Decision to Withdraw Peacekeepers from Kosovo;
Trend News Agency 04.03.2008
Aserbaidschan zieht Truppen aus dem Kosovo ab; Der Standard 04.03.2008
Azerbaijan may use force in Karabakh after Kosovo; Reuters 04.03.2008
Fatal Armenian-Azeri border clash; BBC News 05.03.2008
Ewig verfeindet; Der Tagesspiegel 07.03.2008
Bild: Ein armenischer Soldat während der Übung Combined Endeavor
2008 in Baumholder, Deutschland (03.05.2008).
Picture: An Armenian soldier during exercise Combined Endeavor 2008 in Baumholder,
Germany (05.03.2008).
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