Expeditionary Navy
german-foreign-policy.com, 18. März 2008
In diesen Tagen startet ein Verband deutscher Kriegsschiffe zu einer Trainingsfahrt
in den Indischen Ozean. Er setzt damit ein soeben am Kap der Guten Hoffnung
beendetes bilaterales Manöver mit der südafrikanischen Marine
fort. Der beteiligte "Einsatz- und Ausbildungsverband" der Bundesmarine
fährt nun zuerst nach Mauritius, dann nach Indien sowie nach Oman.
Alle Stationen der Übungsfahrt besitzen einen besonderen Stellenwert
als Umschlagplätze für den boomenden Handel mit Ostasien. Die
zunehmende Präsenz der deutschen Marine auf den Weltmeeren hat System.
Bereits 1992 wurde in den "Verteidigungspolitischen Richtlinien"
festgelegt, vitales Sicherheitsinteresse der deutschen Politik sei die "Aufrechterhaltung
des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und
Rohstoffen in aller Welt". Aktuelle Papiere unterstreichen die Bedeutung
des "freien und ungehinderten Welthandels als Grundlage unseres Wohlstandes".
Die Marine ist ein Instrument, mit dem Berlin die deutschen Handelsrouten
zu sichern sucht - auch im Indischen Ozean.
Am Kap
Der Marineverband sowie weitere Bundeswehrsoldaten - insgesamt 1.200 - beteiligten
sich zunächst an dem Manöver "Good Hope III", das auf
einen Monat angelegt war und an diesem Wochenende in Zusammenarbeit mit
den südafrikanischen Streitkräften abgeschlossen wurde.[1] Unter
anderem Tornado-Kampfjets, die Fregatten "Hamburg" und "Köln"
sowie der Einsatzgruppenversorger "Berlin" erprobten dabei ihre
Kampffähigkeit. Die Tornado-Jets übten die Bekämpfung von
Zielen auf See - unter anderem mit dem neuen, jetzt zum ersten Mal getesteten
Seezielflugkörper "Kormoran 2". Dabei handelt es sich um
Anti-Schiffs-Raketen, die automatisch ihr Ziel suchen. Zusätzlich dazu
wurden Anti-Radar-Raketen getestet, die von Tornados abgeschossen werden.
2008 ist das dritte Jahr in Folge, in dem die Bundesmarine in Südafrika
Präsenz zeigt. 2006 fand das Manöver "Good Hope II"
statt, 2007 führte ein Flottenverband der NATO vor den Küsten
Südafrikas eine Kriegsübung durch - beteiligt waren auch deutsche
Schiffe. Südafrika ist nicht nur die stärkste Ökonomie in
Afrika südlich der Sahara und beansprucht die Hegemonie auf dem Kontinent.
Es ist zudem der wichtigste afrikanische Handelspartner Deutschlands.[2]
Stützpunkt im Indischen Ozean
Nach dem Abschluss des Manövers in Südafrika setzt der "Einsatz-
und Ausbildungsverband" in diesen Tagen seine Reise in Richtung Mauritius
fort. Der kleine, kaum bekannte Inselstaat besitzt kein Militär, jedoch
eine paramilitärisch organisierte "Special Mobile Force",
Polizei und Küstenwache. Laut Auswärtigem Amt erlangt Mauritius
als "ziviler Schiffs- und Luftverkehrsknotenpunkt" zunehmend Bedeutung.[3]
Die mauritischen Inseln liegen zwischen Afrika, Südasien und Australien
und sind als Zwischenstation in Richtung Osten geeignet. Der Hafen der Hauptstadt
ist zur Zeit neben Kapstadt der einzige in Subsahara-Afrikas, der Containerschiffe
der sogenannten "vierten" und "fünften Generation"
aufnehmen kann. Seit 1991 fahren Containerschiffe der "vierten Generation"
von Europa nach Ostasien. Zum Premierminister und zu den Oppositionsführern
Mauritius' unterhält laut eigenen Angaben die der SPD nahestehende
Friedrich-Ebert-Stiftung gute Kontakte. Die politischen Kontakte werden
nun um militärische Beziehungen zu dem Handelshafen im Indischen Ozean
ergänzt.
Großmacht Indien
Nächste Station des "Einsatz- und Ausbildungsverbandes" der
Bundesmarine nach Mauritius ist Kochi (Indien). Der Ort hat für das
indische Militär einige Bedeutung: Dort befindet sich der größte
Ausbildungsstützpunkt für indische Marineflieger. Die Einheit
verwendet deutsche Fabrikate: Ein großer Teil ihrer Seefernaufklärungsflugzeuge
stammt aus deutscher Produktion. Wie die regierungsnahe "Stiftung Wissenschaft
und Politik" konstatiert, richtet Indien seine Marine zunehmend in
Richtung Südostasien aus.[4] Hierzu passt, dass Indien seit 2006 in
der Straße von Malakka patrouilliert und einen Stützpunkt zur
Seeraumüberwachung auf zu seinem Territorium gehörenden Inseln
vor der Einfahrt zur Straße von Malakka errichtet. Berlin versucht
schon seit längerer Zeit Einfluss auf diesen Seeweg zu nehmen. Die
Straße von Malakka - eine der wichtigsten Wasserstraßen der
Welt - besitzt für den Handel mit China und Japan eine herausragende
Bedeutung.[5]
S-Klasse
Die letzte Station im Indischen Ozean, die von den zwei Fregatten, dem Einsatzgruppenversorger
und dem Munitionstransporter angesteuert wird, ist der Hafen von Maskat,
der Hauptstadt des Oman. Vor den Küsten des Sultanats patrouilliert
die Bundesmarine seit sechs Jahren im Rahmen der "Operation Enduring
Freedom". Im Jahr 2006 hat Berlin versucht, den Oman zum Verzicht auf
Teile seiner Hoheitsrechte zu veranlassen: Der deutschen Marine sollte das
Recht eingeräumt werden, die Hoheitsgewässer des Landes eigenmächtig
zu befahren.[6] Oman widersetzte sich. Trotzdem zeigt die Bundeswehr in
jüngster Zeit immer öfter Präsenz in dem arabischen Land,
zuletzt mit einem Besuch der Fregatte "Augsburg" und Helikoptern
der Marine in Maskat und Salalah. Der Hafen in Salalah ist der einzige zwischen
Europa und Singapur, der Containerschiffe der S-Klasse aufnehmen kann. Die
S-Klasse ist die derzeit weltweit größte Containerschiff-Kategorie.
Der Hafen verschafft Oman eine wichtige Rolle im internationalen Handelsverkehr.
Aktionsradius
Die zunehmende Präsenz der deutschen Kriegsmarine auf den Weltmeeren folgt klaren ökonomischen Interessen des Exportweltmeisters Deutschland. Bereits 1992 schrieben die vom Verteidigungsminister verabschiedeten "Verteidigungspolitische Richtlinien" vor, die "Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt" entspreche deutschen Bedürfnissen. Die Durchführung von Manövern vor wichtigen Häfen des Indischen Ozeans folgt dieser Idee. Die Bundesmarine, die ihren Aktionsradius systematisch ausweitet, entwickelt sich, heißt es im Bundeswehr-"Weißbuch", einem zentralen Dokument der deutschen Militärpolitik, "im Zuge der Transformation der Bundeswehr zu einer Expeditionary Navy".
[1] Good Hope am Kap; www.bundeswehr.de 15.02.2008
[2] s. dazu Ergänzungsraum
und Ein
gewisser Widerspruch
[3] Mauritius: Außenpolitik; Länder- und Reiseberichte des Auswärtigen
Amts
[4] s. dazu Friedensmächte
[5] s. dazu Kriegerische
Optionen und Subregionales
Wettrüsten
[6] s. dazu Zugriff
und Handlungsfreiheit
Bild: Ein amerikanischer und ein deutscher Soldat sowie ein Angehöriger
der Küstenwache des Inselstaats Mauritius in Djibouti (14.01.2007).
Picture: An American and a German soldier meet a member of the Coast Guard
of Mauritius in Djibouti (01.14.2007).
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is a work of the United States Federal Government under the terms of Title
17, Chapter 1, Section 105 of the US Code.
