Zeichen, dass der nächste Krieg nicht weit entfernt sein kann
nicht veröffentlicht, 10. April 2007
Die gesamte Region des Nahen Osten steuert auf einen neuen Krieg zu - mit fatalen Konsequenzen.

Am 07.04.2007 berichtete die britische Tageszeitung Guardian, dass das Pentagon in der Krise um die Festsetzung 15 britischer Mariner London angeboten hatte, 'aggressive Patrouillenflüge' über Basen der iranischen Revolutionswächter durchzuführen. Diesen offenen Akt der Aggression hätte man durchgeführt, um "Ernsthaftigkeit der Situation zu unterstreichen". Bereits eine Woche vorher meldete der russische Nachrichtendienst, dass die Vorbereitungen der USA für einen Angriff abgeschlossen sein. Von nun an vermag der Präsident der Vereinigten Staaten nur noch den Befehl geben und die Operation läuft an. Erste Ängste bekamen wohl die Iraner, als am 3. April amerikanische Bomber über der südwestiranischen Region Khusistan gesehen wurden. Die letzten Tage überschlugen sich die Ereignisse und Meldungen: Die Vereinigten Staaten entsenden plötzlich einen weiteren Flugzeugträger - angeblich um einen vorhandenen abzulösen. Der israelische Militärgeheimdienst vermeldet, dass Iran, Syrien und die Hisbollah sich auf einen US-Angriff vorbereiten. Auch die Hamas soll schon 10.000 Kämpfer rekrutiert haben. Außerdem wurde vermeldet, dass die iranischen Revolutionswächter die Ausbildung von palästinensischen Terroristen verbessert hat und sich der Transit eben jener Terroristen über den Flughafen von Damaskus in den letzen Wochen verdreifacht hat.
Lange angekündigt
Wie die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti am 06.11.2006 berichtete, sei ein Krieg zwischen Israel einerseits und der Hisbollah sowie Syrien andererseits im Sommer 2007 möglich. Unter Berufung auf eine Prognose des nationalen Generalstabes veröffentlichte die israelische Tageszeitung Haaretz eine solche Vorhersage. "Angesichts dessen ordnete das israelische Militärkommando bereits eine Reihe von Maßnahmen an, um die Sicherheit der Nordgrenzen zu erhöhen und die Mängel zu beseitigen, die während des Libanon-Krieges entdeckt worden waren [...] Außerdem verschiebt Israel die geplante Kürzung der Grundwehrdienstzeit um ein Jahr und will binnen drei Jahren ein Raketenabwehrsystem aufbauen, das in der Lage ist, die Hisbollah-Raketen abzufangen. Die Militärs sprachen sich zudem gegen die geplante Einstellung der Produktion der Panzer Merkava-IV aus." [5] Dieser Panzertyp gilt als einer der modernsten der Welt und wurde bereits während der Al-Aksa-Intifada und des Juni-Krieges eingesetzt.
"Wir gehen mit offenen Augen in den nächsten Krieg"
Israelischer Sprecher nach dem Waffenstillstand im Libanon
Argumentative Voraussetzungen
Wie in dem Artikel "Die Schüler des Doktor Seltsam oder: Wie George W. Bush lernte, die Bombe zu lieben" beschrieben, handeln die Neokonservativen in Washington ebenso wie die israelische Regierung nach dem so genannten Spielkartenprinzip. Sie wissen nicht, was der Iran auf der Hand hat und um im Notfall nicht in die Ecke gedrängt werden zu können, preschen sie vor, um das Spiel zu bestimmen. Was auf die aktuelle politische Situation übertragen bedeutet, dass man zuerst angreift, bevor der Iran irgendwann einmal in die Lage kommen könnte, entweder die USA oder Israel zu attackieren. Das ist in sich schlüssig, wenn auch leicht paranoid, entbehrt es doch jeglicher rechtlicher Grundlage - von der Ächtung des Krieges als Mittel der Politik im Briand-Kellogg-Pakt und den Nürnberger Prinzipien bis hin zur Charta der Vereinten Nationen und dem Völkergewohnheitsrecht.
Doch es gibt international viele Politiker, die wiederholt und immer aggressiver dem Iran unterstellen, die Atombombe bauen zu wollen – um dies zu verhindern, würde man sogar riskieren, die gesamte Region ins Chaos zu stürzen. Denn der Staat Israel hat ein Problem: Er könnte durch eine Atombombe nahezu völlig vernichtet werden. Wenn Tel Aviv von einer nuklearen Explosion weggewischt würde, verlöre der jüdische Staat sein wirtschaftliches, politisches, militärisches und kulturelles Zentrum und seine einzig international anerkannte Hauptstadt.
Der Aufmarsch in der Region
Dass der Krieg nicht mehr weit entfernt sein kann, zeigen die derzeitigen martialischen Aufmärsche der internationalen Verbündeten Israels in der Region. So haben die USA im Persischen Golf ihre maritimen Kapazitäten verdoppelt, ebenso ihre Truppen in Afghanistan. Durch geschickte Truppenrotation haben die Amerikaner ihre Truppen im Irak nicht wie offiziell behauptet um 20.000 Mann aufgestockt, sondern um 50.000. Als der erste Flugzeugträger, dessen Angriffsgruppe (Strike Group) inzwischen schon im Persischen Golf ist, aus dem Heimat- und Reparaturhafen auslief, "kamen [eine] Reihe verärgerter Offiziere der beteiligten Schiffe, die Kontakt zu Kriegsgegnern wie dem pensionierten Luftwaffenoberst Sam Gardiner aufnahmen und sich darüber beschwerten, sie würden entsandt, um den Iran anzugreifen, ohne irgendeinen Auftrag des Kongresses." [7]
Vielfach wird der kommende Krieg so dargestellt, als ob er ein Spaziergang werden würde. Meistens wird die wahrscheinliche Bombardierung der Atomanlagen des Iran als eine Neuauflage der Ereignisse um den irakischen Atomreaktor Osirak dargestellt. Dieser hatte das gesamte irakische Atomprogramm gebildet und wurde zum Anfang des Ersten Golfkrieges von der Luftwaffe der Islamischen Republik Iran angegriffen, jedoch nur leicht beschädigt und ging dieser kurze Zeit später wieder in Betrieb. Daher entschloss sich Israel, einen Angriff als präventive Aktion zu einer Atombombe in der Hand Saddam Husseins zu fliegen. Die israelischen Bomber und ihre Begleitflugzeuge verletzten den jordanischen und saudi-arabischen Luftraum, um den irakischen Reaktor vollständig zu zerstören und somit das Atomprogramm zu beenden. Als der Iran später sein Atomprogramm etablierte, nutzte der Staat die im Irak gewonnenen Erkenntnisse und baute seine Anlagen unterirdisch auf, um ihrer Zerstörung durch konventionelle Bomberangriffe vorzubeugen. In den aktuellen Planungen aber scheinen Angriffe solcher Art nicht das einzige Mittel zu sein, auch der Einsatz nuklearer Bunkerbrecher wird erwogen.
Gegenschlagskapazitäten
Dem Verteidigungspakt zwischen Syrien und der Islamischen Republik, in dem erklärt wird, die beiden Länder sähen ihre jeweilige Verteidigung als eine gemeinsame, ist in diesem Szenario besondere Beachtung zu schenken. Das heißt, ein Krieg kann sich nicht gegen entweder Syrien oder den Iran richten - Nein! -wenn Israel und die Westmächte ihn vom Zaun brechen, dann werden sie mit einer breit angelegten Front zu kämpfen haben; auch die Hisbollah wird nicht still halten. Zusätzlich besitzt der Iran das Recht, mit seiner Marine sudanesische Häfen anzulaufen und soll dort etwa 2.000 Wächter der Islamischen Revolution stationiert haben. [8] Des Weiteren gelten Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate als Hochburgen des Korps der Wächter der Islamischen Revolution, Operationen der Revolutionswächter laufen auch in Afghanistan, Pakistan und Irakisch-Kurdistan. Angeblich wurden mit iranischer Hilfe Zellen der Hisbollah in Jordanien und Palästina aufgebaut. Wie die Sunday Times berichtete, habe der Iran bislang insgesamt 40.000 Selbstmordattentäter ausgebildet, es seien bereits 29 westliche Ziele ausgemacht worden.
Ebenfalls interessant sind das Raketenprogramm des Iran und seine maritimen Fähigkeiten im Persischen Golf. Ersteres wird sich wohl gegen Israel und amerikanische Basen in Reichweite richten, letztere werden höchstwahrscheinlich darauf abzielen, westliche Kriegsschiffe und Tanker aller Couleur zu versenken. Dazu hat der Iran schon jetzt chinesische Anti-Schiffs-Raketen auf der illegal vom Iran besetzt gehaltenen, den Vereinigten Arabischen Emiraten zugehörigen Insel Abu Musa stationiert. Dieses Eiland liegt direkt neben den bekannten Tankerrouten durch die Straße von Hormuz, durch die ca. ein Viertel der globalen Erdölversorgung transportiert wird. Dort sollen auch chemische Waffen in Stellung gebracht worden sein: Erfahrungen aus dem so genannten Tankerkrieg, in dem beide Kriegsparteien des Iranisch-Irakischen Krieges versuchten, die Tanker der jeweils anderen Seite zu versenken, zeugen davon, dass eine einzige Anti-Schiffs-Rakete nicht ausreicht, um einen kompletten Öltanker zu versenken. Außerdem ist zu erwarten, dass die Marineeinheiten der Revolutionswächter versuchen werden, mit Minenlegeschiffen die Straße von Hormuz, die für die Ölwirtschaft wichtigste Wasserstraße, zu sperren. Allerdings ist die Islamische Republik nur im Besitz zweier Minenleger.
Aussichten
Die Auswirkungen, die dieser Krieg nach sich ziehen wird, sind nicht einmal im Entferntesten vorstellbar. Sicher ist, dass ein Flächenbrand über die gesamte Region herziehen wird. Doch wie dieser aussehen könnte, steht noch in den Sternen. Sicher scheint, dass der Irak und Afghanistan mit hineingezogen werden. Das reicht von Aufständen bis hin zum möglichen Einmarsch der iranischen Armee. Die iranische Strategie soll beinhalten, die Region vom Sinai bis nach Kaschmir mit Terroranschlägen zu übersäen. Dass Israel und amerikanische Militärbasen in der gesamten Region unter Beschuss genommen werden, wurde bereits angekündigt. Mit letzterem dürften dann vor allem die Staaten der Arabischen Halbinsel in diesen Krieg involviert werden. Analysten haben bereits eine massive Destabilisierung des Kaukasus vorhergesagt. Weiterhin sollen Vorkehrungen getroffen worden sein, den Ausnahmezustand in Großbritannien und den USA - aufgrund der latent hohen Gefahr von Selbstmordanschlägen - auszurufen, der Krieg würde somit in Westeuropa und Nordamerika Einzug halten und den Regierenden die Möglichkeit eröffnen, die Bürgerrechte einzuschränken.
Einige Stimmen meinen, die Islamische Republik Iran sei in der Lage, den pakistanischen Militärdiktator Musharraf zu stürzen, was eher einem Worst-Case-Szenario gleich käme. Doch wenn der vom Westen gestützte als "gemäßigter Militär" bezeichnete Musharraf die Kontrolle über Pakistan verlöre, stellt sich die Frage: Was dann? Pakistan ist im Besitz von Atomwaffen. Das Land wird seit langem von den Unruhen der separatistischen Belutschen und Insurgenten in den Stammesgebieten an der afghanischen Grenze erschüttert. Die Taliban sind vor allem im Grenzgebiet sehr stark. Durch die berüchtigten Koranschulen und undurchsichtige Verbindungen des Geheimdienstes mit terroristischen Vereinigungen hat Pakistan auch Probleme mit Islamisten. Die schiitische Minderheit des südasiatischen Landes gilt als sehr irantreu. Was passiert, wenn dieser Staat – diese Atomwaffenmacht – zerfällt? Wer bekommt dann die Bombe in die Hand? Iran, die Taliban oder die Islamisten? Es ist zu hoffen, dass keine dieser Parteien die Bombe ihren eigenen Besitz nennen kann.
Der niederländisch-israelische Militärhistoriker Martin van Creveld drückte die Motivation der einen potentiellen Kriegspartei im Interview mit dem niederländischen Magazin Elsevier folgend aus: "Aber unsere Armee ist von der Stärke her nicht die Nummer 30 in der Welt, sondern die Nummer 2 oder 3. Wir haben die Möglichkeit, die Welt mit uns zusammen untergehen zu lassen. Und ich kann Ihnen versprechen, dass dies auch geschieht, bevor Israel untergeht." [6]
1: Jürgen Cain Külbel - Israels langer Weg in den Juli-Krieg
2006, in RÉSEAU VOLTAIRE, 04.01.2007
2: Libanon-Krieg : Bushs Blaupause für Angriff auf Iran, Yassin Musharbash,
SPIEGEL ONLINE - 15.08.2006
3: RIA Novosti, 11. Juli 2006: Israel setzt chemische und radioaktive Kampfstoffe
gegen Palästina ein
4: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Waffen/thermobarisch.html
5: RIA Novosti, 06. November 2006: Haaretz: Neuer Krieg zwischen Israel
und Syrien schon im Sommer 2007 möglich
6: de.indymedia.org, 20.01.2003: "Wir vernichten uns selbst"
7: Dave Lindorff, Vorboten des Krieges?, Zeit-Fragen, Nr.40 vom 5.10.2006
8: www.arab.de, Sudan Government
Bild: Die USS Kitty Hawk Strike Group, USS Nimitz Strike Group und USS
John C. Stennis Strike Group während der Übung Valiant Shield
(14.08.2007).
Picture: USS Kitty Hawk, USS Nimitz und USS John C. Stennis Strike Group
during exercise Valiant Shield(08.14.2007).
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